Freitag, 25. März 2016

REVIEW: Mirai Nikki



Die Genrevielfalt im Anime ist fast schon grenzenlos und der Output im Land der aufgehenden Sonne ist so groß, wie in westlichen Gefilden "normale" Serien produziert werden. Da kommt man als Fan manchmal nur schwer hinterher und auch wenn ich mich schon sehr lange mit dem Thema beschäftige, entdecke ich immer wieder neue und interessante Animes, die relativ unbekannt sind. Mirai Nikki gehört ohne Zweifel dazu, zumindest ist mein Eindruck, dass der Anime eher ein Geheimtipp für Insider darstellt. Auch ich bin nur durch Zufall auf Mirai Nikki aufmerksam geworden und der sehr interessante und unkoventionelle Plot, hat mir sofort gefallen. Da der Anime bisher kein deutsches Release hat und dieses auch in naher Zukunft nicht angedacht ist, griff ich auf das englische Release zurück. Innerhalb kürzester Zeit, habe ich die 26 Folgen verschlungen und möchte Euch nun meinen Eindruck in diesem Review schildern.

 Yukiteru Amano ist ein stiller, in sich gekehrter Junge,der zum Mittelpunkt der Geschehnisse in Mirai Nikki wird.

Die Geschichte dreht sich um den Schüler Yukiteru Amano. Der in sich gekehrte Junge ist ein Außenseiter und tut sich sehr schwer damit, soziale Kontakte zu knüpfen. Auf seinem Handy führt Yukiteru ein Tagebuch, in dem er detailliert alle Ereignisse dokumentiert, die um ihn herum passieren - so banal diese auch sein mögen. Freunde hat Yukiteru keine, stattdessen flüchtet er sich in seinem Zimmer regelmäßig in eine eingebildete Fantasiewelt und spricht dort mit dem Gott von Zeit und Raum, Deus Ex Machine genannt. Yukiteru glaubt, dass es sich dabei um einen imaginären Gesprächspartner handelt, doch eines Tages teilt im der Gott mit, dass er tatsächlich existiert und ein Spiel veranstalten möchte, bei dem auch Yukiteru eine wichtige Rolle spielen soll. Deus Ex Machina verleit dem Handy-Tagebuch von Yukiteru die Fähigkeit, die Zukunft voraus zu sagen. Als die im Handy dokumentierten Ereignisse am nächsten Morgen tatsächlich eintreten, wird Yukiteru bewusst, dass er sich den Gott von Zeit und Raum nicht nur eingebildet hat. Yukiteru ist begeistert von der neuen Fähigkeit seines Handys und nutzt diese sofort, um in der nächsten Klassenarbeit 100 Punkte zu erziehlen. Doch der anfänglichen Begeisterung wird schnell ein Dämpfer versetzt, als sich Deus Ex erneut meldet. Er teilt Yukiteru die Regeln und den Ablauf seines bereits angesprochenen Spiels mit. Das Handy ist ein sogenanntes Mirai Nikki (Zukunftstagebuch) und ab sofort eng mit Yukiterus Schicksal verknüpft. Geht das Handy kaputt oder wird zerstört, so ist auch Yukiterus Leben sofort beendet. Mit dem Jungen zusammen haben insgesamt 12 Menschen von Deus Ex solche Zukunftstagebücher erhalten. In einem Battle Royal sollen sich die Besitzer gegenseitig ausfindig machen und töten, damit am Ende nur ein Teilnehmer übrig bleibt. Dieser wird die Nachfolge von Deus Ex antreten und Gott über Zeit und Raum werden. 

Yukiteru ist völlig schockiert und glaubt zuerst nicht, was er da gesagt bekommt. Nach der Offenbarung durch Deus Ex befindet er sich wieder in seinem Klassenzimmer. Kurz darauf ändern sich die Einträge in seinem Zukunftstagebuch und er bekommt angezeigt, dass er von einem anderen Teilnehmer getötet wird und das für ihn das "Dead End" bedeutet. Yukiteru gerät in Panik und rennt davon, wird aber von einer Klassenkameradin namens Yuno Gasai verfolgt. Yuno teilt ihm mit, dass sie selber ein Zukunftstagebuch besitzt, dass Yukiteru sich aber keine Sorgen machen soll. Yuno ist nämlich eine Stalkerin und unsterblich in Yukiteru verliebt. In ihr Tagebuch hat sie alles notiert, was Yukiteru macht und mit dieser Fähigkeit will sie ihn auf jeden Fall vor den anderen 10 Tagebuchbesitzern beschützen. Kurz darauf taucht auch schon der nächste Tagebuchbesitzer auf und will Yukiteru und Yuno mit den Fähigkeiten seines Mirai Nikkis überlisten und töten - das Spiel beginnt...

 Die weibliche Hauptfigur ist Yuno Gasai und sie ist in Yukiteru verliebt. Um ihn zu beschützen geht sie sogar über leichen.

Mirai Mikki punktet zuallererst natürlich mit dem sehr ungewöhnlichen Setting und dem Plot der Geschichte. Natürlich gab es schon vorher das Battle Royal Thema, welches ja auch in den sehr populären Tribute von Panem Büchern und Filmen als Grundlage dient. Das ganze mit Zukunftstagebüchern zu verbinden ist allerdings neu und ist die Grundlage für die unzähligen spannenden Auseinandersetzungen. Da jedes Tagebuch der 12 Teilnehmer unterschiedliche Fähigkeiten besitzt, ist zum Anfang einer neuen Begegnung bzw einer neuen Auseinandersetzung nie klar, wie diese sich entwickelt. Auch Yuno und Yukiteru müssen sich immer neue Strategien einfallen lassen, um ihre Mitschreiter zu überlisten. Diese sind teilweise so meisterlich ausgetüftelt und für den Zuschauer überraschend, dass sie an die Aktionen von Anime-Masterminds wie Light Yagami oder Lelouch Lamperouge erinnern. Yukiteru nimmt dabei, besonders in der ersten Hälfte von Mirai Nikki, eine sehr passive Rolle ein und lässt sich von Yuno beschützen. Er ist ein sehr weinerlicher und fast schon hilfloser Charakter, der mit der Situation völlig überfordert ist. Am Anfang muss ich zugeben, dass mich seine Art einfach nur genervt hat. Man möchte ihm in jeder Folge einfach nur ins Gesicht brüllen "Jetzt reiß Dich mal zusammen und verhalte Dich ansatzweise wie ein Mann!". Zum Glück macht der Charakter des Yukiterus im Verlauf der Serie eine nachvollziehbare Entwicklung durch. Zum Ende hin ist er sogar bereit, andere Charaktere für seine Zweckse auszunutzen und seine Ziele über alles Andere zu stellen. Trotzdem bleibt er für den Zuschauer der Charaktere, dessen Handlungen man weitestgehend nachvollziehen kann. Und dann haben wir Yuno, wahrscheinlich einen der am besten ausgearbeitesten und interessantesten Anime Charaktere überhaupt. Das süße Mädchen wirkt optisch wie die Unschuld selbst, doch wenn es darum geht Yukiteru zu beschützen verwandelt sie sich in einen wahren Beserker und geht sogar über Leichen. Das Yuno dabei sämtliche ethischen und gesellschaftlichen Grenzen übertritt sollte klar sein. Yuno ist ein sehr ambivalenter Charakter und genau das macht sie so interessant. Sie ist süß und niedlich und wirkt in manchen Situationen schon fast unschuldig. Doch im Kapf überzeugt sie durch große Intelligenz, Gerissenheit und Schläue. Und wenn es schlussendlich darum geht, Yukiteru zu beschützen, zeigt sich ihre gestörte uns psychotische Seite, denn dann tickt Yuno völlig aus. Genau diese bipolare Gradwanderun zwischen Undschuld und Wahnsinn, ist es, die den Charakter so interessant machen. Auch ich war beim Schauen des Animes immer wieder hin- und her gerissen, zwischen Faszination und Abscheu.

Manche der anderen Tagebuchbesitzer nehmen eine größere Rolle in den Ereignissen ein, wie Minene Uryu. 


Neben den beiden Hauptprotagonisten, stellt Mirai Nikki noch eine Fülle an anderen Charakteren vor. Allein die anderen Tagebuchbesitzer sind teilweise an Skurrilität kaum zu überbieten. Hinzu kommen noch Charaktere aus Yukiterus Umfeld, wie seine Eltern oder Klassenkameraden. Auch wenn alle Figuren interessant sind, so haben manche von ihnen nur wenig Bildschirmzeit und dienen eher als Kanonenfutter oder um die Handlung voran zu treiben. Trotzdem bekommt jeder von ihnen eine Hintergrundgeschichte spendiert, damit der Zuschauer zumindest im Ansatz die Handlungen und Motive der Figur verstehen kann. Einige Charaktere wie Minene Uryu, die neunte Besitzerin eines der Zukunftstagebücher, werden allerdings zu tragenden und wichtigen Figuren für die Handlung.
Zusammen mit Story, ist die Vielzahl an unkonventionellen Charakteren eine große Stärke von Mirai Nikki.

Wenn man mich fragt, in welches Genre man Mirai Nikki stecken soll, kann ich ehrlich gesagt keine klare Antwort geben. Als Oberbegriff kann man sicher Thriller benennen, jedoch ist Mirai Nikki so viel mehr. Da gibt es natürlich die actiongeladenen Kämpfe, die sehr wuchtig und schnell inszeniert sind. Außerdem ist Mirai Nikki sehr brutal, so dass man fast schon den Begriff Splatter nennen muss. Literweise Blut und abgetrennte Körperteile gibt es ebenso zu sehen, wie eine ziemlich eklige Szene mit einem Dartpfeil und einem Auge. Allein der Charakter Yuno schreit natürlich nach Schlagwörtern wie Psycho und Horror, weil sie genau diese Gefühle mehr als einmal beim Zuschauer auslöst. Die dunkle und bedrohliche Atmosphäre, die hier teilweise auf den Plan tritt, überflutet den Zuschauer an manchen stellen wie eine große Welle. Und dann gibt es wieder diese süßen romantischen Momente zwischen Yuno und Yukiteru, oder aber klassische Comedy Elemente, die die Stimmung genau an den richtigen Stellen auflockern. Damit möchte ich einfach nur sagen: Mirai Nikki ist Abwechslung pur und überrascht den Zuschauer immer wieder auf´s neue.

Weit aufgerissene und leere Augen. Yuno verfällt mal wieder in einen Blutrausch.

Für die Animationen in Mirai Nikki zeigt sich das Studio Asread verantwortlich, die z.B. auch an Sword Art Online mitgearbeitet haben. Das Studio hat ganze Arbeit geleistet und Mirai Nikki ist in vielen Belangen ein optischer Hochgenuss. Da wäre zuerst einmal die Charaktere, die sehr detailliert ausgearbeitet wurden und überzeugende Animationen spendiert bekommen haben. Generell sind die Bewegungen auch in schnellen Sequenzen immer flüssig und nie abheackt. Ein besonderes Highlight sind die Augen der Charaktere, da über diese sehr viele Emotionen transportiert werden. Dies gelingt in Mirai Nikki unglaublich gut. Auch hier kann man wieder Yuno als Beispiel nehmen. Wenn sie sich binnen Sekunden vom zuckersüßen Mädchen, zur blutrünstigen Psychopatin wandelt, sind es meist nur eine Veränderung der Augen, die diese Verwandlung grandios unterstreichen. Auch die Blut- und Splattereffekte wurden großartig dargestellt und wirken sehr plastisch und eklig. Genau so soll es sein, um die gewünschten Gefühle von Ekel und Abscheu beim Zuschauer hervorzurufen.

Bei der musikalischen Untermalung gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Mirai Nikki bietet zwei Openings, die packend, aber auch passend zum Anime sehr ungewöhnlich sind. Die restlichen Stücke passen sich immer an das Geschehen an und unterstreichen die aktuelle Atmosphäre perfekt. Da es wie gesagt keine deutsche Version gibt, kann ich nur die japanischen Originalsprecher beurteilen. Diese machen ihre Sache sehr gut, auch wenn Yukiteru mit seiner sehr hohen und Stimme manchmal echt nerven kann. Doch auch das passt irgendwie zum Charakter. Ein großes Lob geht an die englischen Untertitel von Kazé. Denn in Mirai Nikki ist es nicht unwichtig zu wissen, was genau auf den Displays der Handys der einzelnen Charaktere steht, da sich die Einträge ja mit jeder Aktion der Charaktere ändern. Hier wurden die Einträge in einem separaten Fenster übersetzt, welches einem Handydisplay nachempfunden wurde. Allerdings musste ich manchmal auf Pause drücken, um die Fülle an Informationen auch lesen zu können.

Fazit: Mirai Nikki ist ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Anime. Das Setting und die Geschichte sind unverbraucht und fesseln den Zuschauer ab der ersten Sekunde. Die Charaktere sind weit weg vom Einheitsbrei und durch ihre Hintergrundgeschichten, sind ihre Handlungen stehts nachvollziehbar. Die Animationen und generell die audiovisuelle Gestaltung ist großartig. Doch Mirai Nikki ist nichts für schwache Nerven, den Spannung und Splatter liegen an der Tagesordnung. Die Charaktere leiden nahezu in jeder Folge und so ist das Verlangen des Zuschauers nach einem Happy End nur umso größer. Und auch hier enttäuscht Mirai Nikki nicht, das Ende bleibt der Linie des Animes treu, ist mutig und dennoch für den Zuschauer zufriedenstellend.



Mittwoch, 23. März 2016

REVIEW: X-COM 2


Das Genre der Rundenstrategie war vor allem in den 90er Jahren ein Garant für erstklassige Spiele und für volle Taschen bei den Publishern. Wer erinnert sich nicht an Spiele wie Civilization, Battle Isle, Master of Orion oder Heroes of Might and Magic. Nach und nach führte das Genre aber immer mehr ein Nischendasein, vor allem durch den Siegeszug der Echtzeitstrategie mit Titel wie Dune, Warcraft oder Command & Conquer. Doch 2012 kam es quasi zu einem kleinen Revival der Rundenstrategie als Take 2 mit X-Com: Enemy Unknown ein Überraschungshit gelang. Nach einem qualitativ ebenso hochwertigen Add-on, folgt nun ein paar Jahre später der Nachfolger mit dem schlichten Titel X-Com 2. In diesem Test werde ich Euch meine Erfahrungen mitteilen und Euch sagen, ob X-Com 2 ein würdiger Nachfolger geworden ist.

 Im Vorgänger versuchten die Aliens mit punktuellen Angriffen, die Erde zu erobern. Die multinationale, militärische Organisation XCOM versuchte diese Angriffe abzuwehren und zum Ende der Kampagne hin schien es, als wäre dieses Vorhaben erfolgreich. Doch kurz danach ergab sich der Rat der Nationen und öffnete so Tür und Tor für eine großangelegte Invasion der Aliens. Seitdem sind gut 20 Jahre vergangen.
Die Erde ist erobert und wird von dem ADVENT-Regime kontrolliert, welches völlig unter der Kontrolle der Aliens steht und die Alieninvasion durch geschickten Einsatz von Propaganda schönredet. Die XCOM Organisation wanderte in den Untergrund und agiert seitdem als geheime Widerstandsbewegung. Als Spieler übnehmen wir erneut die Rolle des Commanders, wobei man das Geschehen stets aus seinem Blickwinkel wahrnimmt. Zu Beginn der Kampagne wird der Commander aus einer Alieneinrichtung berfreit, in der er in Stasis gefangen gehalten wurde. 


 Um seine Soldaten zu verbessern, sollte man immer Upgrades für Waffen, Panter und Ausrüstung erforschen.

Die Basis von XCOM ist die Avenger, ein Alienschiff, welches mit dem Mineral Elerium betrieben wird. Beides konnte XCOM von den Aliens erbeuten und für die eigenen Zwecke umfunktionieren. Damit hat der Spieler keine statische Basis, sondern ein Luftschiff, welches er immer wieder von einem Ort zum anderen bewegen muss. Und das ist auch bitter nötig, denn schließlich brauchen die Menschen überall auf der Welt Hilfe. Doch der Reihe nach. Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in X-Com 2 ist eben dieses benannte Luftschiff, die Avenger. Zu Spielbeginn gibt es hier rudimentäre Räumlichkeiten, wie die Brücke oder ein Vorschungslabor. Nach und nach kann der Spieler weitere Räume errichten. Dafür ist es teilweise notwendig, Bereiche des Schiffs von Trümmern zu befreien. Der Spieler selbst entscheidet an dieser Stelle, welchen Räumlichkeiten er Priorität einräumt und welche er zuerst erichten möchte. Dabei ist eine gute Planung aber enorm wichtig, denn manche Räume tragen zum Fortschritt der Kampagne bei. Andere Räume erleichtern die Missionen ungemein und wieder andere sind Grundvoraussetzung, um überhaupt weiter zu bauen. Zum Beispiel benötigen alle Räume Strom, hat man also zu wenig Energierelais erichtet, ist man ganz schnell in einer Sackgasse. Manche Räume, die am Anfang unscheinbar wirken, entfalten erst im Spielverlauf ihr volles Potential. Zum Beispiel sollte man relativ früh im Spiel in Erwägung ziehen eine Guerillataktik-Schule zu bauen, weil sich damit die Squadgrößer erhöhen lässt. Hier gilt es also ein wenig zu planen, anstatt direkt wild "drauflos" zu bauen.

Die Avenger und ihre Räumlichkeiten sind ein wichtiger, taktischer Faktor in X-Com 2

Auch bei der Erforschung der zahlreichen Upgrades ist es wichtig, zu planen. Denn Forschung dauert Zeit und Wissenschaftler sind rare und teure Arbeitskräfte. Die Forschungsupgrades sind aber Überlebenswichtig, denn sie verbessern Waffen, Panzerung, Granaten und Ausrüstung der X-Com Soldaten. Will man zuerst lieber die Feuerkraft erhöhen oder seine Soldaten besser schützen? Setzt man eher auf die zerstörerische Kraft von Granaten oder die heilende Wirkung von Medipack? X-Com 2 lässt den Spieler an jeder Ecke strategisch wichtige Entscheidungen treffen. 

Dies setzt sich auch auf der taktischen Weltkarte fort, denn wie gesagt haben wir mit der Avenger eine mobile Einsatzzentrale, die in kurzer Zeit jeden Punkt auf der Erdkugel erreichen kann. Wobei dies besondrs am Anfang mit einer großen Einschränkung behaftet ist. Wir starten an einem zufällig ausgewählten Punkt auf dem Globus und haben Zugriff auf einige Länger bzw. Gebiete in unserem Umkreis. Um weitere Gebiete zu erreichen, müssen wir den lokalen Widerstand kontaktieren. Dafür müssen wir an Bord der Avenger Kommunikationszentralen bauen und anschließend noch Funktürme errichten. Dies frisst Zeit und Ressourcen, demnach ist auch hier ein taktischen Vorgehen unamdingbar. Als Gegenleistung bekommen wir durch jedes freigeschaltete Gebiet neue Ressourcen am Monatsende und steigern so unser Einkommen. Ressourcen gibt es zwei an der Zahl: Geld und Informationen, besonders Zweiteres ist selten und sollte am Anfang nicht verschwenderisch ausgegeben werden. 

Immer mal wieder gibt es Ereignisse und Orte auf der Weltkarte, die wir mit der Avenger "scannen" können. Das bedeutet im Prinzip nur, das wir auf einen Button klicken und eine bestimmte Anzahl an Tagen im Zeitraffer runterzählen. Dadurch können wir zusätzliche Ressourcen aber auch Personal erhalten. Neben Soldaten gibt es die bereits erwähnten Wissenschaftler und Ingenieure. Besonders die Ingenieure sind am Anfang essentiell, da sie benötigt werden, um neue Räume zu bauen. Ereignisse dagegen unterbrechen meistens den aktuellen Spielfluss und fordern von Euch ein sofortiges Eingreifen. Manchmal werden Stützpunkte des Widerstandsangegriffen, manchmal gilt es wichtige Personen zu retten. Und dann gibt es noch die sogenannten düsteren Ereignisse. Durch diese versuchen die Aliens ihre eigenen Truppen zu stärken oder X-Com zu behindern. Das tragische ist, dass wir als Spieler nie alle düsteren Ereignisse verhindern können, sondern wir müssen eins auswählen. Hier gilt es also zu entscheiden, welches das kleinere Übel ist.

Schlussendlich haben die Aliens aber ein großes Ziel, das geheimnisvolle Avatar Projekt zu vollenden. Und dabei geht es nicht um schlumpfblaue Dschungelbewohner, soviel ist sicher. Was genau sich hinter dem Avatar Projekt verbirgt, ist lange Zeit unklar und wird erst nach und nach im Verlauf der Story enthüllt. Für uns als Spieler ist nur wichtig, dass die Aliens das Projekt nicht erfolgreich abschließen. Dargestellt wird dies durch eine 12-stellige Fortschrittsleiste, die an bestimmen Wendepunkten der Handlung, oder wenn wir ungenutzt zu viel zeit verstreichen lassen, fortschreitet. Auch manche düsteren Ereignisse beschleunigen den Fortschritt des Avatar Projektes und so ist der Spieler an manchen Stellen im Spiel gezwungen, seine eigenen Plänge hinten an zustellen, um der Fertigstellung des Avatar Projektes entgegenzuwirken. Denn eine Fertigstellung bedeutet unausweichlich das "Game Over" für den Spieler.

Man merkt es schon: X-Com 2 ist ein taktisches Schwergewicht und verlangt den Spieler einiges in Sachen Planung ab. Wer einfach kopflos "drauflos" spielt, der wird sich ganz schnell in einer Sackgasse wiederfinden. Und bei all den ganzen Spielkomponenten wie Räume bauen, Forschung betreiben, Kontakte zum Widerstand knüpfen, Ressourcenmanagment und Verhindern des Avatar Projektes, haben wir noch gar nicht über den eigentlichen Kern des Spiels gesprochen: Die knallharten Missionen!




Zu Beginn des Spiels besteht unsere Einheit aus vier Soldaten, die allesamt noch recht grün hinter den Ohren sind. Die Squadgröße lässt sich im Laufe des Spiels auf 6 erhöhen und die Soldaten sammeln mit jedem getötetem Alien Erfahrungspunkte. Bei dem allerersten Level-Up wird die Klasse des Soldaten festgelegt, davon gibt es vier Stück: Ranger, Grenadier, Scharfschütze und Spezialist.
Ranger sind die geborenen Nahkämpfer und sind meistens an vorderster Front zu finden. Grenadiere sind Experten für schwere Waffen und Sprengstoffe und können großen Schaden verursachen. Scharfschützen sind auf größere Entfernung unglaublich präzise und tödlich, aber auch in der Bewegung eingeschränkt. Spezialisten dagegen sind vor allem für die Unterstützung des Trupps verantwortlich. Bei jedem weiteren Levenanstieg, kann man dem Soldaten eine zusätzliche Fähigkeit verleihen. Dabei kann man jede Klasse grundsätzlich in zwei unterschiedliche Richtungen entwickeln. Der Spezialist z.B. kann auf Heilung oder Hacken spezialisiert werden. Die zusätzlichen Fähigkeiten sind wertvoll und werden immer mächtiger. Das ist auch bitter nötig, denn die Einsätze sind teilweise richtig knackig. Am Grundprinzip hat sich nichts geändert, wir steuern unsere Soldaten rundenbasiert durch ein Areal, welches wir zu Beginn nicht vollends einsehen können. Jeder Soldat hat einen bestimmten Bewegungsradius und anschließend eine Aktion. Die Möglichkeiten sind vielfältig, es gibt Angreifen, Rennen, Nachladen, Feuerschutz, Gestand nutzen oder irgendeine Spezialfähigkeit.
Die Gebiete sind in unterschiedlichen Höhenstufen unterteilt, so kann man einen Scharfschützen zum Beispiel auf dem Dach eines Gebäudes platzieren, so dass er einen Großteil des Areals überblicken kann. Unterschiedliche Gebäude und Objekte bieten Schutz, unterbrechen aber auch die Sichtlinie und so ist ein bedachtes Vorgehen der Schlüssel zum Sieg. Wer seine Soldaten blindlings vorstürmen lässt, rennt wahrscheinlich direkt in einen Alientrupp und muss dann hilflos mit ansehen, wie seine Soldaten gegrillt werden. Eine beliebte Strategie im ersten X-Com war das seeehr langsame Fortasten und am Ende seiner Runde alle Soldaten in den Feuerschutzmodus zu versetzen. Dies wird in X-Com 2 größtenteils ausgehebelt, da viele Missionen ein Zeitlimit haben. So muss man zwar trotzdem mit Bedacht vorgehen, kann sich aber auch nicht alle Zeit der Welt lassen.

Die Aliens hetzen unseren Mariens eine ganze Palette an fiesen Gegner auf den Hals. Da gibt es die Standardsoldaten von ADVENT, die sogar noch wie normale Menschen aussehen. Später stellen sich uns Schlangenmischwesen, Roboter, Formwandler, Insektoiden und sogar KI-Soldaten in den Weg. Jedes dieser Aliens hat besondere Angriffe, Stärken und Schwächen, die man kennen und nutzen sollte. Damit unsere Soldaten optisch nicht gegen die Aliens abstinken, hat uns 2K Games die Möglichkeit gegeben, unsere Soldaten zu individualisieren. Der Umfang des Editors kann dabei fast mit Rollenspielen mithalten, denn wir können so gut wie alles an unseren Soldaten verändern: Name, Geschlecht, Herkunft, Gesichtform, Augenfarbe, Frisur, Accessoirs und und und. So ist es sogar möglich, bekannte Figuren aus anderen Spielen oder Filmen nachzubauen. Dies ist nicht nur eine nette Spielerei, sondern schafft eine gewisse Bindung zwischen Spieler und Soldaten. So überlegt man sich zweimal, ob man einen Soldaten opfert, oder ihn doch lieber rettet.

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Der Soldateneditor von X-com 2 ist sehr umfangreich. Hier hat ein findiger Spieler Snake aus Metal Gear gestaltet.


Auch grafisch hat X-Com 2 einen Sprung gemacht, so sind die Soldaten und Aliens noch einmal eine ganze Ecke detaillierter, gleiches gilt für die Umgebung. Waffeneffekte und Explosionen sind farbenfroh und wuchtig. Der Sound ist klasse und die deutsche Vertonung erste Sahne. Doch auch das beste PC-System wird mit X-Com 2 seine Probleme haben, denn die Performance ist nicht wirklich gut. Ruckler und lange Ladepausen sind an der Tagesordnung und sowohl auf Mid-Class, als auch auf High-End Rechner vorhanden. Hier sollte 2K games vielleicht noch einmal nachbessern. Die Steuerung mit Maus und Tastatur funktioniert gut, ist aber stellenweise etwas zu kompliziert geraten. Manchmal muss man 2-3 Mal klicken, obwohl dies nicht nötig gwesen wäre. Mein größter Kritikpunkt ist aber, dass das Spiel im Tutorial nur einen Bruchteil der Möglichkeiten erklärt. Vieles erfährt man nur durch Ausprobieren oder schlimmer noch durch Zufall. Bei meinem ersten Versuch, habe ich mich irgendwann in eine Sackgasse manövriert und das nur, weil ich eine bestimmte Sache nicht wusste. Der zweite Anlauf lief dann, mit der gesammelten Erfahrung und dem Wissen, sehr viel besser.

Fazit: X-Com 2 ist ein rundenbasiertes Strategie-Schwergewicht. Es ist ganz klar nichts für Zwischendurch und nichts für Hobby-Strategen. Hier muss man sich einfinden und wirklich planen und mit kühlen Kopf an die Sache gehen. Die Lernkurve ist sportlich und der Schwierigkeitsgrad besonders am Anfang nicht zu unterschätzen. Wenn man sich darauf einlässt, bekommt man aber das wahrscheinlich beste rundenbasierte Strategiespiel aller Zeiten. Die audiovisuelle Präsentation ist super, die Missionenen packen und schweißtreibend, die taktischen Möglichkeiten komplex und die Atmosphäre fesselnd. Wer sich einmal in X-Com 2 reingefuchst hat, der wird ein großartiges Spiel erleben und nach etlichen Stunden auch meistern.


Freitag, 11. März 2016

REVIEW: Fullmetal Alchemist Brotherhood


Heute gibt es für alle fleißigen Leser eine Premiere: Mein erstes Review zu einem Anime.
Woran liegt das? Nun, wahrscheinlich daran, dass ich mich lange Zeit nicht so intensiv mit Animes beschäftigt habe. In den 90ern war ich richtig im Anime-Wahn und voll im Thema. Mit Animania Abo und jährlichen Besuch auf der Animagic (mehr gab es ja damals auch nicht, da Animes in Deutschland zu der Zeit noch in den Kinderschuhen steckten). Dann flachte irgendwann das Interesse ab und jahrelang verfolgte ich das Phänomen Anime nur am Rande. Klar, ich kam immer mal wieder damit in Kontakt, auch durch Videospiele, oder Charaktere/Serien, die Einem immer wieder begegneten. So richtig eingetaucht bin ich dann aber wieder vor ca. 2 Jahren. Auslöser war der Anime "Attack on Titan", den ich im japanischen Original mit englischen Untertiteln sah. Ab dem Zeitpunkt war ich wieder im Anime-Fieber und wollte soviel wie möglich konsumieren, was ich in den letzten Jahren verpasst hatte. Ziemlich ehrgeizig, wenn man bedenekt wieviel mehr Animes es mittlerweile nach Deutschland schaffen, als in den 90ern. Auf jeden Fall habe ich in der letzten Zeit dutzende Animes quasi verschlungen und zu einem, der mich ganz besonders berührt hat, gibt es heute dieses Review.

Fullmetal Alchemist erzählt die Geschichte der Brüder Edward und Alphonse Elric. Beide Jungen leben ein behütetes Leben bei ihrer Mutter. Ihr Vater ist kurz nach ihrer Geburt verschwunden und sein Verbleib ungewiss. Als dann auch die Mutter von Alphonse und Edward stirbt, greifen die beiden verzweifelten Jungen zur Alchemie und zu der gefählrichen und verbotenen Transmutation von Menschen. Doch was ist diese Alchemie? In der Welt von Fullmetal Alchemist können begabte oder speziell ausgebildete Menschen die Alchemie einsetzen. Damit ist es ihnen möglich, beliebige Materie umzuformen, zu verwandeln und umzufunktionieren. So werden zum Beispiel aus dem Boden (Erde) mal eben meterhöhe Wände erschaffen. Doch die Alchemie unterliegt bestimmten Gesetzen, vor allem dem des Äquivalenten Tausches. Einfach gesagt muss der Ausgang und das Ergebnis einer alchemistischen Reaktion immer die gleiche Masse haben. Und genau dieser äquivalente Tausch wird den Gebrüdern Elric zum Verhängnis. Denn um einen Menschen zurück ins Leben zu holen, verlangt die Alchemie ein gleichwertiges Opfer. So verliert Edward während des Rituals sein linkes Bein und Alphonse sogar seinen gesamten Körper. Entsetzt und schockiert nutzt Edward erneut die Alchemie, um die Seele seines Bruders an eine Rüstung zu binden. Dafür bezahlt Edward zusätzlich mit seinem rechten Arm. Doch das, was sie ins Leben zurück gebracht haben, ist nur noch entfernt als Mensch zu identifizieren. Eine verkohlte und verfaulte Kreatur ohne Seele.

 Die jüngen Bruder Alphonse (links) und Edward (rechts) bei der Erforschung der Alchemie

In den folgenden Jahren studieren Alphonse und Edward die Alchemie weiter. Edward schafft in der Haupstadt des Landes Amestris, sogar die schwere Prüfung zum Staatsalchemisten. Das Land Amestris wird von einer Militärdiktatur regiert, an dessen Spitze das militärische Oberhaupt King Bradley steht. Die Staatsalchemisten unterstehen direkt den Generälen und sind somit Teil des Militärs. Aufgrund seiner metallischen Protesen, Automail genannt, erhält Edward den Titel "Fullmetal Alchemist". Während ihrer Studien über die Alchemie erfahren Alphonse und Edward vom sogenannten Stein der Weisen, einem mächtigen Werkzeug der Alchemie, mit dessen Hilfe sie ihre Körper zurück erlangen wollen. Doch dabei handelt es sich lediglich um Gerüchte und Legenden. Sie vertrauen sich ihrem Vorgesetzten Roy Mustang, dem sogenannten "Flame Alchemist" an. Dieser Unterstützt die beiden Brüder und hat selber Pläne die, von Korruption zerfressene Dikatur in Amestris zu stürzen. Als erste Station untersuchen die Brüder ein stillgelegtes Forschungsinstitut, direkt in der Haupstadt. Dort treffen sie zum ersten mal auf zwei Humunculi, Envy und Lust. Dabei handelt es sich um künstlich erschaffene Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten und einer extremen Heilungs- und Regenerationsrate. Edward und Alphonse erfahren, dass hinter dem Mythos des Steins der Weisen ein viel größeres Geheimnis steckt. Ihre Reise beginnt...

Die epische Reise der Brüder Elric erstreckt sich über 64 Episoden, die auf insgesamt 8 Volumes beim Anbieter KSM erschienen sind. Auf jeder Doppel-DVD befinden sich also 8 Folgen, was für ein deutsches Anime-Release schon sehr üppig ist. Zusätzlich sind die Schuber mit einem hübschen Glanzeffekt versehen und im Inneren gibt es ein kleines Booklet mit Zeichnungen und Interviews, sowie einen kurzen Episodenführer. Fullmetal Alchemist ist mit seinen 64 Folgen zwar kein Langzeit-Anime wie Dragonball, One Piece oder Bleach, trotzdem sind dies aber weit mehr Folgen als üblich (normalerweise 12 oder 24 Folgen).
Man hat also ein bisschen was zu tun, wenn man mit Alphonse und Edward auf die Reise geht, aber die Zeit ist auf jeden Fall gut investiert und es lohnt sich. KSM hat sich außerdem für die deutsche Synchronisierung richtig ins Zeug gelegt und hat namenhafte Sprecher an Land gezogen. Roy Mustang wird z.B. von David Nathan gesprochen. Wem der Name nichts sagt, David ist der deutsche Stammsprecher von Johnny Depp und Christian Bale. Für mich ist dies ein wichtiger Punkt, da sich die Qualität der deutschen Synchronisation bei Animes zwar grundsätzlich stark verbessert hat, es aber trotzdem noch immer Fälle gibt, wo die Sprecher einfach unpassend sind oder einen miesen Job machen. Entwarnung also bei Fullmetal Alchemist, denn die deutsche Synchronisation ist hervorragend!

 Roy Mustang, der Flame Alchemist, unterstützt die Brüder Elric.

Die sehr gute deutsche Synchronisation, wird von einem fantastischen Soundtrack begleitet. Verschiedene Themen kehren immer wieder und vermitteln sehr bald ein vertrautes Gefühl. Insgesamt wartet Fullmetal Alchemist mit 5 verschiedenen Opening- und Endingthemes auf, die allesamt echte Ohrwürmer sind. Mein persönlicher Favorit ist das Opening Nr 4 "Period" von Chemistry. Die Ohren werden also gut versorgt, aber wie sieht es mit den Augen aus. Auch hier kann ich Entwarnung geben, denn für die Reise der Gebrüder Elric zeigt sich das renommierte Studio Bones verantwortlich. Das Studio hat viele andere namenhafte Animes produziert, darunter auch Serien wie Wolf´s Rain, Space Dandy, Chaika, Darker than black oder Soul Eater. Deshalb ist es fast schon selbstverständlich, dass die Animationen auf einem sehr hohen Niveau sind. Ein besonderer Augenschmauss sind natürlich die Effekte der unterschiedlichen Alchemisten, wie Flammen, Explosionen, Blitzen und die vielen unterschiedlichen Gebilde, die die Alchemisten quasi aus dem Nichts entstehen lassen. In Sachen Action und Schauwert gibt es also ordentlich was zu sehen. Mir persönlich gefällt auch das Charakterdesign besonders gut. Es ist nicht so bunt und schillernd wie in vielen anderen Animes und fast schon bodenständig. Zum Beispiel sucht man außergewöhnliche Haarfarben wie Pink, Blau oder Grün vergebens.

Bleiben wir einmal kurz bei den Charakteren, da hier eine große Stärke von Fullmetal Alchemist Brotherhood liegt. Wo andere Animes mit einem sehr kleinen Cast an Charakteren auskommen, bietet Fullmetal Alchemist eine wahre Fülle an unterschiedlichen Charakteren. Im Verlauf der Reise kommen immer wieder neue Gesichter dazu, von den einige Alphonse und Elric über die gesamte Zeit immer wieder begleiten. Dabei ist jeder Charaktere, so klein seine Rolle auch sein mag, toll ausgearbeitet. Damit will ich sagen: Jeder Charakter handelt aus verständlichen Motiven und hat seinen eigenen Charakter. Dabei schaffen es die Autoren von Fullmetal Alchemist Brotherhood, dass kein Charakter überflüssig wirkt oder den Zuschauer gar nervt. Man kennt das, manchen Charakteren wünscht man die Pest an den Hals bzw jede Bildschirmminute ist eine Qual. Hier ist das anders, da selbst die bösen Charaktere so vielschichtig sind, dass man sie in irgendeiner Form verstehen kann. Im Vordergrund stehen natürlich die Gebrüder Elric, deren tragisches Schicksal die Geschichte trägt. Und trotzt der schlimmen Dinge, die sie erlebt haben, bleiben sie in vielen Situationen der gute Kern. Sie sind ohne Zweifel unkonventionelle Helden und ich habe auch schon Rezensionen gelesen, wo genau das bemängelt wurde. Ich hingegen finde, dass menschliche Helden mit Schwächen eine Bereicherung für jede Geschichte darstellen.

Die wichtigsten Charaktere in Fullmetal Alchemist Brotherhood

Jetzt könnte man zu Recht die Frage stellen, ob ein Anime mit 64 Episoden nicht langweillig wird. Die ganz klare Antwort ist: Nein. Neben den vielen positiven Aspekten, die ich bisher genannt habe, stellt die Hintergrundgeschichte wohl die größte Stärke von Fullmetal Alchemist Brotherhood dar. Denn in kaum einem anderen Anime werden so viele unterschiedliche Themen aufgegriffen, so viele unterschiedliche Gefühle beim Zuschauer geweckt. Es gibt Folgen voller Action und knallharten Kämpfen ums überleben. Dabei gibt es sowohl Duelle zwischen einzelnen Charakteren, als auch Gruppen oder ganze Kriege zu bestaunen. Dann gibt es Folgen die unglaublich lustig sind und bei denen die Lachmuskeln stark beansprucht werden. Einige Running Gags, wie z.B. die Größe von Edward tauchen immer mal wieder auf und lockern die Stimmung. Und dann gibt es diese Folgen, die unglaublich dramatisch sind und die den Zuschauer tief berühren. Eine dieser Folgen kommt relativ früh, in der es um Chimären geht, durch Alchemie erschaffene Mischwesen. Auch mit dem Ableben von liebgewonnen Charakteren wird man in Fullmetal Alchemist Brotherhood konfrontiert. Allerdings verkommen diese nie zum reinen Schauwert, sondern sind immer sehr bedacht inszeniert.

Mein Fazit: Fullmetal Alchemist Brotherhood ist ein Allrounder. Ich würde mich schon fast dazu verleiten lassen, ihn den perfekten Anime zu nennen. Ich empfehle Fullmetal Alchemist Brotherhood sowohl langjährigen Otakus, als auch absoluten Anime Neuligen. Hier gibt es keine übertriebenen Anime Klischees, die Charaktere sind nicht zu abgedreht und Fanservice findet gar nicht statt. Also nichts was einen Anime Neuling direkt von Anfang an schockt. Lediglich in manchen witzigen Szenen, in den die Charaktere stark vereinfacht gezeichnet werden, könnten hier etwas irritieren. Bei den Charakteren ist für Jeden etwas dabei, mit dem man sich identifizieren kann. Die audiovisuelle Seite ist toll, die deustche Synchro großartig. Die lange Reise der Gebdrüder Elric ist abwechslungsreich, spannend, witzig und dramatisch. Kurz gesagt: Perfekte Anime Unterhaltung ^^



Sonntag, 21. Februar 2016

REVIEW: Until Dawn



Horror, Furcht und Angst, all diese Emotionen haben schon eine sehr lange Tradition in Videospielen. Das erste Spiel, dass es tatsächlich schaffte den Spieler zu gruseln war wohl Alone in the Dark von 1992. Eine echte Revolution erlebte das Genre aber erst 1996 mit dem Capcom Hit Resident Evil, der etliche Spiele inspirierte wie Silent Hill (1999), Eternal Darkness (2002) oder Dead Space (2008). Der subtile Psycho-Horror wurde dann von Indi-Spielen wie Amnesia (2010) oder Slender: the eigh pages (2012) perfektioniert. Zuletzt sorgte Resident Evil Schöpfer Shinji Mikami mit The Evil Within (2014) für einen perfiden und blutigen Überlebenstrip. Nun schicken sich Supermassive Games, die Entwickler von Little Big Planet, an in neue Dimensionen des Survival-Horrors vorzudringen. Der Playstation 4 Exklusivtitel Until Dawn wurde im August diesen Jahres auf die Spieler losgelassen und in diesem Review möchte ich Euch dieses außergewöhnliche Spieleerlebnis vorstellen.
Die Geschichte von Until Dawn beginnt wie in einem klischeehaften Slasher-Film. 10 junge Erwachsene feiern auf einer abgelegenen Blockhütte in den Bergen eine Party. Die Blockhütte gehört der Familie Washington, der gleich 3 der 10 Twens angehören, die Schwestern Beth und Hanna, sowie ihr Bruder Josh. Die Gruppe spielt Hanna aber einen bösen Streich, wobei sie schlagartig die Hütte verlässt und in den Wald rennt. Ihre Schwester Beth folgt ihr auf dem Fuß und beide Frauen verunglücken tödlich unter ungeklärten Umständen. Genau 1 Jahr später trifft sich die Gruppe erneut auf der Blockhütte. Initiator des Treffens ist Josh, der in Gedenken an seine beiden verstorbenen Geschwister eine Party organisieren will. Ab diesem Zeitpunkt greifen wir als Spieler aktiv in das Geschehen ein und treffen auf 8 sehr individuelle Persönlichkeiten.

Den eingangs erwähnten Josh,
die sehr gewissenhafte Sam, Hannas beste Freundin,
den nerdigen und etwas zurückhaltenden Chris,
Ashley, die in Chris verliebt ist,
den Playboy Mike,
dessen Freundin und Cheerleaderin Jessica,
die zickige Asiatin Emily und Ex-Freundin von Mike,
und ihren neuen Freund, den farbigen Footballspieler Matt.

Alle haben den tragischen Tod der Geschwister mehr oder weniger gut verarbeitet, sind der Einladung von Josh aber ohne zu zögern gefolgt. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen. Nicht-menschliche Schreie aus Wald, eine gruselige Seance, eine beunruhigende Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Nach und nach merken die Charaktere, dass etwas nicht stimmt, bis es zum ersten, tragischen Übergriff kommt und die jungen Leute um ihr Überleben kämpfen müssen - bis zum Morgengrauen.

 Zu Anfang ist die Gruppe noch relativ unbekümmert, doch das ändert sich schnell.

Ich möchte nicht zu viel von der Story verraten, da hier eine der großen Stärken von Until Dawn liegt. Die Autoren Larry Fessenden und Graham Reznick greifen nahezu jedes Klischee aus bekannten Horrorfilmen wie Scream, SAW oder Freitag der 13 auf und mixen daraus ein spannendes Potpourri und schüren die Erwartungen der Spieler. Denn am Anfang scheint es so, als würde die Handlung nach dem bekannten Muster der oben genannten Filme ablaufen, doch ab der Hälfte der Spielzeit nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung. Sämtliche Erwartungen werden über den Haufen geworfen und die Handlung verläuft in eine ganz andere Richtung. Eine ähnliche Wandlung erleben wir bei den oben genannten Charakteren. Jeder von ihnen gleicht einem Abziehbild von typischen Charakteren in einem Horrorfilm. Aber auch hier kann Until Dawn überraschen, denn das Spiel nimmt sich die Zeit, um seinen Charakteren die nötige Tiefe zu verleihen. So wird aus dem Anfangs ziemlich unsympathischen Playboy und Schönling Mike, hinterher ein richtiger Held, der echten Mut beweist. Diese Bindung zu den Charakteren ist dabei enorm wichtig, denn das Ziel von Until Dawn ist es, so vielen Charakteren wie möglich das Überleben zu ermöglichen. Das Kernelement dafür ist der sogenannte Schmetterlingseffekt.
Spätestens seit dem Film Butterfly Effect mit Ashton Kutcher, sollte der namensgebende Schmetterlingseffekt eigentlich Jedem ein Begriff sein. In der Theorie geht man davon aus, dass jede Handlung weitreichende Folgen hat. Das bekannte Bild dafür ist der Schlag eines Schmetterlingsflügels, der am anderen Ende des Erdballs einen Tornado auslösen kann. Until Dawn veranschaulicht diesen Effekt in einem eigenen Menü. Wird eine entscheidende Szene im Spiel absolviert, schaltet sich ein neuer Schmetterlingseffekt frei. Im entsprechenden Menü, kann man nun seine Handlungen und deren Folgen nachvollziehen und für einen späteren, erneuten Spieldurchgang überdenken. So muss sich der Spieler zum Beispiel zwischen unterschiedlichen Dialogoptionen entscheiden. Ein Beispiel: Bei Ankunft in der Lodge geraten Emily und Jessica in einen heftigen Streit, in dem es natürlich um Mike geht. Als Emilys Freund Matt, haben wir nun die Möglichkeit in den Streit einzugreifen. Je nachdem wie wir uns entscheiden, wird die Beziehung zu Emily negativ oder positiv beeinflusst.

 Zwischen den Kapiteln, findet man sich im Behandlungsraum eines zwielichtigen Psychiaters wieder.

eilweise reagieren die Charaktere in einem späteren Abschnitt komplett anders, je nachdem welche Entscheidung man getroffen hat. Noch wichtiger und weitreichender sind natürlich die Entscheidungen, die man treffen muss wenn sich die Charaktere in Gefahrensituationen befinden. Verstecken oder Weglaufen? Den schnellen, aber unsicheren Weg oder den längeren Weg ohne Gefahren nehmen? Teilweise muss man solche Entscheidungen auch unter massiven Zeitdruck treffen und an manchen Stellen winkt bei falscher Entscheidung tatsächlich der Tod eines Charakteres. Zusätzlich zu den Entscheidungen beeinflussen auch Quick Time Events über Tod oder Überleben. Wenn ein Charakter eine steile Felswand erklimmen möchte, kann man sich schon mal auf einige Reaktionstests gefasst machen. Die Mechanik des Schmetterlingseffekts setzt Until Dawn perfekt um. Nahezu jede Entscheidung des Spielers hat tatsächlich Auswirkungen, die für den Spieler auch spürbar sind. Viele aktuelle Games suggerieren dem Spieler nur, dass seine Entscheidungen auch tatsächlich von Bedeutung sind – anders bei Until Dawn. Habt Ihr Euch nicht auch schon mal über die unlogischen Entscheidungen der Charaktere in Horrorfilmen aufgeregt? Jetzt habt ihr die Chance es besser zu machen, wobei ich mich das eine oder andere Mal erwischt habe, es auch nicht viel besser zu machen!

 Jede Entscheidung des Spielers hat nachhaltige Konsequenzen - mal mehr und mal weniger dramatisch!

Wenn wir bei Until Dawn aber über einen spielabren Horrorstreifen sprechen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie gruselig Until Dawn eigentlich ist.
Die kurze Antwort: SEHR gruselig! Das Spiel beginnt in den Abendstunden und läuft quasi in Echtzeit bis zum Morgengrauen. Das bedeutet, das es in der Regel stockdunkel ist und nur kleinere Lichtquellen die Szenen beleuchtet. Meistens sind das Taschen- bzw Handylampen oder alte Ölleuchten. Dadurch entsteht ein gruseliges Schattenspiel. Gepaart mit knarrenden und quietschenden Geräuschen oder dem Heulen des Windes entsteht so pauschal eine sehr angespannte Atmosphäre, die auch durch die musikalische Atmosphäre perfekt ergänzt wird. Until Dawn spielt mit den Erwartungen der Spieler und platziert gut dosiert Schockeffekte, wobei auch hier eine enorme Spannungskurve zu verzeichnen ist. Eine perfide Art mit den Ängsten der Spieler zu hantieren, schafft Until Dawn mit den Sequenzen beim Psychiater Dr. Hill. Momente, Psychiater? Ja genau! Zwischen jedem Kapitel befindet sich der Spieler auf einmal in der Praxis des Psychiaters Dr. Hill. Dort bekommt der Spieler Fragen gestellt, die sich mit Ängsten beschäftigen. Oft muss der Spieler unterschiedliche Bilder bewerten z.B. wovor er sich fürchtet. Das Spiel greift diese Antworten auf und ändert Szenen im Detail - eine großartige Idee! Die surrealen Szenen bei Dr. Hill stehen als krasser Gegensatz zum restlichen Spiel und sorgen für zusätzliche Anspannung. An dieser Stelle sei auch gesagt, das Until Dawn teils sehr explizite Gewaltdarstellung hat, die nichts für schwache Gemüter sind.

Until Dawn befand sich sehr lange in der Entwicklung und sollte ursprünglich sogar für die PS3 erscheinen. Nun könnte man meinen, dass das Spiel technisch noch auf dem Niveau der letzten Konsolengeneration ist, oder nur oberflächlich aufpoliert wurde. Weit gefehlt! ntil Dawn gehört ohne Zweifel zu den schönsten Spielen für Sonys Playstation und der aktuellen Konsolengeneration. Die Animationen der Charaktere ist fantastisch, vor allem die Gesichter und deren Mimik erzeugt eine perfekte Illusion. Dies beruht auch auf der Tatsache, dass alle Charaktere echten Schauspielern anchempfunden wurden. Tatsächlich hat man den einen oder anderen Charakter auch schonmal im TV gesehen, z.B. Sam´s alter Ego Hayden Penetierre die man aus der Serie Heroes kennt. Auch die Umgebung sieht umwerfend aus. Das Panorama mit verschneiten Bergen, Nadelwäldern, Schneewehen und Wetterleuchten lässt einen fasst vergessen, dass man sich in einem nackten Überlebenskampf befindet. Die grafischen Möglichkeiten werden genutzt, um das gesamte Spiel wie einen Film wirken zu lassen. Schon der grandiose Vorspann, aufgebaut wie bei einem Film, untermalt mit einem grandiosen Song, lässt den Spieler fasst vergessen, dass er gerade ein Videospiel spielt. Dazu kommen etliche Stilelemente, die normalerweise nur ihren Einsatz im Medium des Films haben. Hier spreche ich z.B. von unterschiedlichenKameraeinstellungen oder Lichteffekten. Ich verspreche an dieser Stelle auch: Ein Zuschauer wird bei Until Dawn ebenso perfekt unterhalten, wie Derjenige der gerade das Pad in der Hand hält.

 Die gefundenen Totems weisen den Weg, warnen vor Gefahren oder zeigen Fluchtwege.
 
Gibt es an Until Dawn eigentlich auch Kritikpunkte? Ja, aber die muss man wirklich mit der sprichwörtlichen Lupe suchen. Die Steuerung ist manchmal etwas hackelig, besonders wenn man in sehr engen Räumlichkeiten unterwegs ist. Die Tatsache, dass man fast jeden Handgriff der Figuren mit seinem Pad nachstellen muss, kann man dagegen unterschiedlich bewerten. Ich fand es ganz gut umgesetzt, während ein anderer Spieler aus meinem Freundeskreis es eher als nervig empfand. Weiterhin könnte man Until Dawn vorwerfen, dass es zuviel interaktiver Film, als echtes Spiel ist. Hier muss ich allerdings widersprechen. Im Vergleich zu ähnlichen Spielen, wie z.B. die Telltale Games, hat Until Dawn sehr viele Elemente eines Videospiels. Die meiste Zeit bewegt man seinen Charakter selber durch die düsteren Szenen, nur selten wird eine automatische Bewegung abgespult, meistens bei Fluchtsequenzen. Hier wird der Spieler aber durch Quick Time Events und schnellen Entscheidungen gefordert und wird nicht zum stummen Zuschauer. Auch die mit ca. 8 Stunden eher kurze Spieldauer, lässt sich dadurch relativieren, das Until Dawn ein Spiel ist, was man ohne Probleme mehrfach durchspielen kann und will. Allein schon um unterschiedliche Enden zu sehen, vielleicht doch bessere Entscheidungen zu treffen oder um weitere Hinweise zu sammeln, die die gesamte Geschichte enthüllen.

Mein persönliches Fazit fällt daher sehr positiv aus. Until Dawn ist ein außergewöhnliches Spiel, welches den Spieler packt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Natürlich ist das gruselige Szenario, die Schockeffekte und die teilweise explizite Gewaltdarstellung nicht für Jedermann, aber wer sich auch nur ansatzweise mit Horror- und Gruselfilmen anfreunden kann, für den wird Until Dawn ein Fest. Für mich das bisher beste Spiel für die Playstation 4 und auf jedem Fall ein Kaufgrund für Sonys schwarze Kiste!



REVIEW: Terminator Genysis



1984 machte James Cameron den bis dato noch unbekannten Arnold Schwarzenegger quasi über Nacht zum Star. In seiner Rolle als eiskalter Killerroboter, den Terminator wurde Schwarenegger zur ikonischen Kultfigur. Die Rolle war Schwarzenegger quasi auf den Leib geschrieben: Wenig Worte, dafür aber eine starke physische Präsenz. 1991 legte Cameron nach und schuf mit Terminator 2 ein tricktechnisches Meisterwerk, welches auch heute noch zu den besten Actionfilmen aller Zeiten zählt. Wieder mit von der Partie war Arnold Schwarzenegger in seiner Paraderolle des T-800, doch diesmal wurde er zum Helden der Geschichte, denn der Killerrobter hatte diesmal den Auftrag John und Sarah Conner zu beschützen. Das Terminator Franchise avancierte somit zu einem der Wichtigsten im Action- bzw. Science-Fiction Bereich, allerdings dauerte es eine ganze Weile bis 2003 mit Terminator 3 der nächste Film zu sehen war. Wieder mit Arnold Schwazenegger, versucht der Film von Jonathan Mostow den Geist der beiden Vorgänger einzufangen und ihn behutsam weiterzuführen. Das Ergebnis ist leider nicht so gut wie erhofft, denn bis auf das überraschende Ende, schafft es der Film nur mittelmäßig zu sein. Das mag u.a. auch an der Performance von Schwarzenegger liegen, denn irgendwie kommt schnell das Gefühl auf, das er etwas lieblos spielt und mit seinen Gedanken ganz woanders ist (vielleicht schon bei seiner Politikkarriere). Getoppt wird das ganze allerdings 2009 mit dem vierten Teil des Franchises Terminator - Die Erlösung. Natürlich war zu dieser Zeit klar, das Arnold Schwarzenegger die Rolle des Terminators nicht mehr ausfüllen wird. Als stattdessen die Verpflichtung von Christian Bale als John Conner bekannt wurde, keimte in mir etwas Hoffnung auf, doch leider wurde diese zerschlagen. Terminator - Die Erlösung spielt diesmal in der Zukunft und zeigt den Überlebenskampf von John Conner. Allerdings sind Stimmung und Optik so grundsätzlich gegensätzlich zu der dystopischen Zukunft aus Camerons Vision, das man sich lange Zeit fragt, was das ganze eigentlich mit Terminator zu tun hat. Auch die Besetzung von Sam Worthington als neuen Terminator war leider keine gute Idee, denn stemmen kann er die Last dieser Rolle nie. Tatsächlich ist das einzige kleine Highlight des Films, als ein T-800 mit dem computergenerierten Gesicht von Schwarzenegger auftaucht und Conner in einen kurzen Kampf verwickelt. Der Erfolg an den Kinokassen blieb aus, die Stimmen der Kritiker waren vernichtend. Lange Zeit war die Zukunft des Terminator Franchises ungewiss, bis Arnold Schwarzenegger 2011 seine politische Karriere beendete und kund tat, das er gerne noch einmal in die Rolle schlüpfen würde, die ihn berühmt gemacht hat. Nun schreiben wir das Jahr 2015 und Terminator Genisys läuft in den Kinos. Als riesiger Schwarzenegger- und Terminator Fan war ich sehr gespannt, wie der Film abschneidet und ob er Fans und Otto-Normal-Kinogänger zufrieden stellen kann. Dies versuche ich in meiner Rezension zu klären.

Der verjüngte CGI Arnold, sieht genauso bedrohlich aus wie in den 80ern

Terminator Genisys beginnt im Jahr 2029. Der Krieg der Menschen gegen die Maschienen scheint bald zu Ende zu sein, denn der Anführer der Widerstandbewegung John Conner(Jason Clarke) will einen finalen und endgültigen Schlag gegen Skynet ausführen. Dazu sollen zwei Teams gleichzeitig zuschlagen, wobei er und seine rechte Hand Kyle Reese einen Angriff auf eine unscheinbare Fabrik in Colorado anführen. Doch John Conner weiß, das sich dort die ultimative Waffe von Skynet befindet, die erste funktionierende Zeitmaschine. Beide Angriffe glücken, doch John und sein Team kommen zu spät: Skynet hat es geschafft einen Terminator zurück in das Jahr 1984 zu schicken, um Johns Mutter Sarah Conner zu töten. Kyle Reese (Jai Courtney) meldet sich freiwillig für diese Mission, doch kurz vor seinem Zeitsprung in das Jahr 1984 sieht er, wie John von einer fremden Person angegriffen wird. Im Jahr 1984 angekommen wird der Terminator Modell T-800 aber bereits erwartet und zwar von einem anderen Terminator des gleichen Modells, der nur viel älter zu sein scheint. Der Killerroboter wird daraufhin terminiert. Währenddessen trifft Kyle Resse auf den T-1000 der aus Flüssigmetall besteht. Diesem Gegner nicht gewachen wird er von Sarah Conner (Emilia Clarke) und dem älteren Terminator Modell (Arnold Schwarzenegger) gerettet. Die einstige, bekannte Zeitlinie existiert nicht mehr, denn Sarah sollte bereits mit 9 Jahren von einem Terminator vernichtet werden. Zu diesem Zeitpunkt tauchte auch der andere Terminator, den sie Paps nennt, auf und beschützt sie seitdem. Zusammen haben sie auf die Ankunft von Kyle Reese gewartet, um mit einer selbst gebauten Zeitmaschine die Zukunft endgültig zu ändern.
Puuh, klingt verwirrend?! Ist es auch ein wenig, doch vor allem wer Terminator 1 und 2 in- und auswendig kennt, hat im ersten Drittel des Films eine ganze Menge Spaß. Denn im Prinzip werden die Ereignisse aus Terminator 1 an vielen Stellen 1:1 neu erzählt. Die Schauplätze und Dialoge sind bis zu einem gewissen Punkt identisch und das macht einfach eine menge Spaß. Das Highlight im ersten Drittel ist der Kampf der beiden Terminatoren oder besser gesagt Arnie alt gegen Arnie jung. Das junge Terminator Modell wurde teilweise aus alten Szenen und teilweise am Computer erstellt, sieht aber verdammt gut aus. Und wenn Arnie alt die Szene betritt und seinen ersten coolen Oneline "Ich hab auf Dich gewartet" loslässt, ist das schon fast eine Gänsehaut Moment.

Emilia Clarke gibt sich alle Mühe, in die toughen Fußstapfen von Linda Hamilton zu treten.

Auch Sarah Conner alias Emilia Clarke mischt ganz schön mit und weiß sich ihrer Haut zu wehren. Aus der verängstigten und schüchternen Sarah Conner aus Terminator 1 ist nichts mehr übrig. Die Zeit mit dem alten Terminator hat aus Sarah Conner eine Kriegerin gemacht, ganz zur Verwunderung von Kyle Reese. Hier musste ich übrigens ein paar Mal schlucken, denn Kyle Reese alias Michael Biehn war in Terminator 1 eine verdammt coole Sau, ein Soldat und Kämpfer durch und durch der eine Situation mit dem nötigen Kalkül angeht. Davon ist bei dem neuen Kyle Reese überhaupt nichts mehr zu spüren. Okay, man mag ihm nachsehen, das er etwas verwirrt sein mussn aufgrund der neuen Ereignisse. Jai Courtney schafft es in meinen Augen aber, Reese zu einer nervigen Witzfigur zu degradieren. Ganz anders dagegen Emilia Clarke, der man die Rolle der toughen Sarah Conner durchaus abnimmt. Und dann wäre da natürlich noch Arnold Schwarzenegger himself und wow, was legt er für eine geile Performance hin. Während man in Terminator 3 noch irgendwo das Gefühl hatte, Arnie ist die Rolle des Terminators langsam leid, so dreht er in Terminator Genisys voll auf. Schwarzenegger IST einfach der Terminator und erweitert seine Rolle sogar um einige Facetten. Die Jahre die der Terminator mit Sarah verbracht hat, sind nämlich nicht spurlos an der Maschine vorüber gegangen, so hat er z.B. gelernt Witze zu machen und (wenn auch nicht perfekt) menschliche Emotionen nachzuspielen. Auf der anderen Seite ist er aber weiterhin ein Roboter und so kommen einige echt lustige Momente zustande, wenn Schwarzenegger in seiner kühlen Roboterart mehrmals nachfragt ob Sarah und Kyle sich schon "gepaart" haben.
Wenn wir über einen Terminator Film sprechen, dann muss natürlich auch die Action stimmen und das ist in Terminator Genisys der Fall. Es fängt natürlich bei den wuchtigen Mann gegen Mann Duellen des Terminators an, die sehr intensiv rüberkommen. Aber es gibt natürlich auch eine Menge Geballer und das mit jedem Kaliber, was man sich so vorstellen kann, von fetten Explosionen ganz zu schweigen. Sehr geil ist die Falle, die Sarah und Arnie dem T-1000 gestellt haben, um ihn final zu vernichten, aber an dieser Stelle verrate ich nicht zu viel. Natürlich gibt es auch wieder einige Verfolgungsjadgen, denn auch das gehört irgendwie in einen Terminator Film. Diesmal geht es hoch in die Luft mit zwei Helikoptern, denn irgendwie musste man ja die Verfolgungsjagd im Mega-Kran aus Terminator 3 überbieten. Ohne Zweifel: Die Action im neuen Terminator stimmt!
Tricktechnisch kann ein Terminator heutzutage natürlich keine bahnbrechenden Effekte mehr präsentieren, aber zumindest kann er "State of the Art" sein und uns einige gute bis sehr gute Effekte präsentieren. Auch diesen Punkt können wir auf der Checkliste beruhigt abstreichen. Als Highlights bertrachte ich ohne Zweifel den computergenerierten "jungen" Arnie, den T-1000 der noch verrücktere Dinge mit seinem Flüssigkörper anstellt und den eigentlichen Hauptgegner (den ich an dieser Stelle nicht verrate), der auch optisch einiges auf den Kasten hat. Natürlich sind in der CGI Zeit nicht mehr alle Explisionen echt und das ist natürlich etwas schade. Ich mag handfeste Effekte noch immer deutlich mehr, als wenn diese am Rechner erstellt werden. Aber gut, das ist jammern auf hohem Niveau.

Der gealterte Terminator, wird von Sarah liebevoll Pops genannt.


Kommen wir zu den Dingen, die mir nicht ganz so gut gefallen haben, wobei ich einen Punkt bereits angesprochen habe. Ich halte die Besetzung von Jai Courtney als Kyle Reese für einen absoluten Fehlgriff. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wer diese Entscheidung getroffen hat, denn nach seiner Performance in Stirb Langsam 5, konnte man doch eigentlich schon erahnen, das aus dieser Pfeife nix wird. Okay, das sind vielleicht ziemlich harte Worte, aber so denke ich nunmal. Courtney schafft es in keiner Sekunde den Charakter Kyle Reese auch nur ansatzweise sympatisch rüberzubringen. Außerdem passt Courtney mit seiner stemmigen Figur schon rein physisch nicht zu Kyle Reese, was mich extrem gestört hat. Hier hätte ich diverse andere Kandidaten lieber gesehen. Was mir ebenfalls nicht ganz so gut gefallen hat war, das sich Regisseur Alan Taylor in der ganzen Zeitreise-Thematik etwas verirrt hat und hier einige krasse Logiklöcher zu finden sind. Ja natürlich sprechen wir hier über einen Actionfilm, aber nichtsdestotrotz waren in den anderen Terminator Filmen die Zeitlinien nachvollziehbar und vergangene und zukünftige Ereignisse irgendwie klar. In Terminator Genisys gibt es aber nun mehrere Zeitlinien, die parallel existieren, so kann sich Reese auf einmal an zwei mögliche Vergangenheiten erinnern - WTF? Und dem Ganzen wird auch noch die Krone aufgesetzt, als der Terminator das ganze mit diffusen Begriffen wie "Zeitmatrix" versucht zu erklären. Da raucht nicht nur das Gehirn, nein viel schlimmer ist es, dass das ganze unfreiwillig komisch rüberkommt. Andere Zeit Paradigmen werden stattdessen mit banalen Erklärungen vom Tisch gefegt. Ohne zu viel zu spoilern verweise ich auf den Satz "Wir sind Gestrandete der Zeit"....hä?
Nunja, es ist wie es ist und so will ich Terminator Genisys diese kleinen Fehler verzeihen. Im Grunde bin ich mehr als zufrieden aus dem Kinosaal rausgekommen. Ich hatte wirklich schlimmeres erwartet und befürchtet das der Film auf einem ähnlichen Niveau wie Terminator 3 spielt. Um das nochmal klar zu stellen, ich fand Terminator 3 nicht schlecht, aber er war eben auch nicht besonders gut. Terminator Genisys schafft es aber spielend den dritten Teil zu überflügeln und den völlig vermurksten vierten Teil vergessen zu lassen. Genisys ist ein toller Actionfilm, mit vielen sehenswerten Momenten und grandioses Popocorn-Kino. Für alle Terminator und Schwarzenegger Fans (wie mich) ist er aber noch eine ganze Menge mehr. Mit seinen vielen, kleinen Anspielungen und Verbeugungen vor Terminator 1 und 2 ist er quasi das El Dorado für Fans und man bekommt an vielen Stellen wirklich ein zufriedenes Lächeln auf´s Gesicht gezaubert. Und auch Arnold Schwarzenegger "is back" und verkörpert die Rolle absolut großartig. Zugegeben, er trägt über weite Strecken den Film mit dieser tollen Performance, aber das empfinde ich als nicht schlimm, denn eine Terminator Film ohne Arnie funktioniert in meinen Augen nun einmal nicht.

Mein Fazit fällt dementsprechend überraschend positiv aus. Alle Terminator- und Schwarzenegger Fans da draußen sollten sich den Film unbedingt anschauen und nicht entgehen lassen. Hier gibt es eine ganze Menge zu sehen, viele nostalgische Momente und eine ganze Menge Spaß. Glaubt mir, ihr werdet nicht enttäuscht sein. Aber auch für "normale" Actionfans kann ich Terminator Genisys empfehlen, denn auch an Schauwerten mangelt es dem Film nicht.





Samstag, 20. Februar 2016

REVIEW: Avantasia - Ghostlights


1999 begann Edguy Frontmann und Songschreiber Tobias Sammet mit der Umsetzung seiner Idee von einer Metal Oper. Ein Jahr später folgte dann auch direkt das erste Avantasia Album, auf dem Sammet unterschiedliche Größen der Metal Branche zusammen brachte und ein Melodic Metal Meisterwerk ablieferte.Mittlerweile haben wir 2016 und das siebte Avantasia Album mit dem Titel "Ghostlights" ist erschienen und stürmt die internationalen Charts. Wie gut das Album ist werde ich in diesem Review klären.
Das Cover der neuen Avantasia Scheiben weiß zu überzeugen. Es ist sehr düster und recht dunkel gehalten. Das inofizielle Bandmaskottchen, der Skelettmann mit Zylinder, ist mal wieder sehr präsent und bringt durch eine kleine Lichtquelle eine schummrige Beleuchtung ins Spiel. Die Doppel-CD Ausführung kommt im Digibook Format daher und macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Spieldauer ist mit knapp 75 Minuten verdammt üppig und auf der Bonus-CD findet man zusätzlich live Versionen von bekannten Avantasia Hits. Es wird also richtig was für´s Geld geboten. 
Insgesamt befinden sich 13 Songs auf Ghostlights und ich werden auf jedes Stück einmal kurz eingehen und eine Einschätzung abgeben.

1. Mystery of a blood red rose 03:51 min
Der Eröffnungstrack steht ganz im Zeichen von Songs wie Lost in Space und Dying for an angel. Soll heißen, es handelt sich eigentlich um keinen echten Metal Song, sondern eher um eine Hard Rock Nummer, die sehr eingängig und zugänglich ist. Dabei steckt Mystery of a blood red rose die beiden vorher genannten Songs aber mal locker in die Tasche. Er ist zwar zugänglich und der Refrain geht sofort ins Ohr, er ist aber auch bedeutend schneller und packender. Und wer beim hören irgendwie an Meat Loaf Klassiker wie Modern Girl oder I´d do anything for love erinnert wird, der liegt gar nicht so falsch. Sammet wollte Mystery of a blood red rose im Duett mit Meat Loaf singen und schrieb ihm den Song quasi "auf den Leib". Meat Loaf musste aber kurzfristig absagen und so sang Sammet den Song dann alleine ein - was ihm aber nicht geschadet hat. 

2. Let the storm descend upon you 12:09 min
Mit dem zweiten Song geht Sammet direkt in die Vollen und präsentiert dem Zuhörer ein epischen 12 Minuten Kracher ganz im Stil von The Seven Angels. Hier dürfen auch direkt drei Gäste zeigen, was sie so können: Jorn Lande, Ronnie Atkins und Robert Mason geben sich in dem sehr abwechslungsreichen Let the storm descend upon you die Klinke in die Hand. Der Vergleich zum oben genannten The Seven Angels kommt übrigens nicht von ungefähr. Die Parallelen sind unverkennbar, denn auch Let the storm descend upon you kommt mit einem genialen Refrain daher, den man zu Beginn sehr oft hört, im Mittelpart eher weniger, bevor er am Ende mit einem Knall wieder auftaucht. 12 Minuten die wie im Flug vergehen. 

3. The Haunting 4:42 min
Eingeleitet von ruhigen Klavierklängen: Der Auftritt von Dee Snider und was für einer! Wer ihn nicht kennt, Dee Snider ist Sänger und Frontmann der US-band Twisted Sister und ist zum ersten Mal bei einer Avantasia Scheibe dabei. The Haunting ist ein sehr düsterer, ja fast schon unheimlicher Song, der sehr langsam und schleppen beginnt, sich aber zur Mid-Tempo Nummer steigert. Auch hier ziehe ich gerne einen Vergleich zu einem früheren Song von Avantasia, nämlich Death is just a feeling welches damals von Jon Olivia (Album) bzw Kai Hansen (live) performed wurde. The Haunting vermittelt einen ähnlichen kranken Eindruck, eben "twisted" und das meine ich durchaus positiv. 

Tobi zeigt sich im Booklet zu Ghostlights wie immer gut aufgelegt.


4. Seduction of decay 7:18 min
Ein weiterer Neuzugang im Avantasia Ensemble gibt sich auf dem nächsten Song die Ehre.
Geoff Tate ehemaliger Sänger von Queensryche darf auf Seduction of decay zeigen was er so kann. Vielleicht bin ich hier etwas zu subjektiv, aber ich kann mit Tates Gesang absolut nichts anfangen und das ändert sich auch hier nicht. Irgendwie kommt er einfach nur verzerrt rüber. Der Song selber überzeugt mich ebenfalls nicht, soll er als schleppende aber eindringliche Mid-Tempo Nummer rüberkommen. Der Refrain zündet bei mir gar nicht, das hat man schon etliche Male viel besser gehört. Außerdem ist Secudtion of Decay mit seinen 7 Minuten schlichtweg zu lang und bietet kaum Abwechslung. Mein Negativpunkt des Albums.


5. Ghostlights 5:43 min 
Zum Glück geht es jetzt wieder steil bergauf. Der fünfte Song ist nun endlich der Titeltrack des Albums und Ghostlights wird dieser Rolle absolut gerecht. Michael Kiske gibts sich hier die Ehre und überzeugt mit seiner einmaligen, hohen Stimme. Sammet hat ganze Arbeit geleistet und den Song Kiske sozusagen auf den Leib geschrieben. Der bombastische Refrain wird von Kiske und Sammet abwechselnd gesungen, was ein sehr harmonisches Gesamtbild abgibt. Von der Struktur ist Ghostlights Power Metal in Reinkultur. Helloween oder alte Edguy Scheiben standen hier ohne Zweifel als Vorbild. Nach dem Gitarrensolo kommt nochmal Abwechslung ins Spiel, da hier zusätzlich Jorn Lande reinprescht und dem ganzen noch mehr Tempo gibt, bis schlussendlich der Refrain den Song beendet und abrundet. 

6. Draconian Love 4:58 min
Der nächste Song mit dem Titel Draconian Love tanzt mal wieder komplett aus der Reihe und dürfte den einen oder anderen Hörer ordentlich überraschen. Aber genau solche Experimente rechne ich Sammet sehr hoch an, denn er macht einfach das, worauf er gerade Bock hat, ohne sich an irgendwelche Richtlinien zu halten. Zurück zum Song, denn auf Draconian Love bekommen wir einen weiteren Gast zu hören. Die Rede ist von Herbie Langhans, dem Sänger der ehemaligen Band Seventh Avenue. Draconian Love ist sehr schleppend, düster, melancholisch aber mit einer bittersüßen Note, ganz leicht von Synthie Klängen unterstreicht. Mit dem tiefen Gesang von Langhans entsteht hier eine Gothic angehauchte Nummer, die so auch auf jedem HIM Album gepasst hätte. Aber trotz dem krassen Stilbruch passt Draconian Love perfekt in Ghostlights. Auch hier haben wir wieder einen eingängigen Refrain, der selbst hier ein positives Flair versprüht. 

         Drei der Gaststarts auf dem neuen Album: Marco Hietala, Sharon den Adel und Bruce Kulick (v.l.n.r.)

7. Master of the Pendulum 5:01 min
Es geht ähnlich düster weiter - oder doch nicht?! Master of the Pendulum hält einige Überraschungen parat. Es geht wirklich ganz langsam und düster los, wieder ist der Vergleich mit Death is just a feeling angebracht, doch dann bricht auf einmal ein Gitarrengewitter über den Hörer herein. Donnernde und blitzschnelle Riffs und dann der brachiale Auftritt von
Marco Hietala, dem Sänger, Songwriter und Gitarristen von Nightwish. 
Es bleibt sehr schnell, bedrohlich und richtig in die Fresse und dann kommt der Refrain.
Auf einmal ein krasser Stilbruch, denn der Refrain ist so unglaublich positiv und eingängig und geht direkt ins Ohr, hier muss man sofort mitsingen. Auch wenn sich das nicht so anhört, der Song ergibt trotzdem ein homogenes Gesamtbild und ist ein heimliches Highlight auf dem Album. 

8.  Isle of Evermore 4:28 min
Hier wird uns die Sammet-typische Ballade präsentiert. Diesmal nicht mit Avantasia Dauergast Amanda Somerville (die macht eine Babypause), stattdessen hat sich Tobi die Unterstützung von der Within Temptation Frontfrau Sharon den Adel gesichert. Und was soll ich sagen, Isle of Evermore ist langsam selbst für eine Ballade, fast schon einschläfernd. Und irgendwie will der Funke auch bei mir nicht so richtig rüberspringen. Tobi kann großartige Ballden schreiben, die etwas beim Hörer auslösen, die in sich auch eine Steigerung haben. All das vermisse ich bei isle of Evermore, denn der Song plätschert die knapp 5 Minuten nur vor sich hin, ohne echtes Highlight.

9. Babylon Vampyres 7:09 min 
Der nächste Song mit dem etwas skurrilen namen Babylon Vampyres holt den Zuhörer aus dem Tiefschlaf zurück in die harte Metal-Realität. Mit stampfenden Drums und Riffs könnte der Song auch auf dem Edguy Album Theater of Salvation zu finden sein. Sehr auffällig ist das virtuose Gitarrenspiel von gleich mehreren Saitenzupfern: Bruce Kulick, Oliver Hartmann und Sascha Paeth lassen es richtig ordentlich krachen. Die Gitarrensoli sind wirklich göttlich! Gesanglich kommt hier noch Robert Mason zum Einsatz, bekannt durch die Band Warrant. Der Refrain ist zum wiederholten Mal ein echter Ohrwurm und Gute-Laune-Garant. Insgesamt zeigt Tobi auf Ghostlights sein Händchen für fantastische und eingängige Songs. 

10. Lucifer 3:48 min
Der kürzeste Song des Albums ist mal wieder eine echte Überraschung. In der ersten Hälfte vermutet man eine waschechte Ballade. Jorn Lande und Tobi schmalzen Gegenseitig um die Wette, untermalt von einem wunderschönen Klavierspiel. Doch dann fegt wieder ein Gitarrensoli über uns herein. Bruce Kulick zeigt sehr eindrucksvoll was er kann und Lucifer wird zur stampfenden Mit-Tempo Nummer, in der Jorn lande zum Ende nochmal richtig aufdreht. Sehr cool!

Die Live-Auftritte von Avantasia sind unglaublick packend und dauern min 3 Stunden (ohne Vorband!)


11. Unchain the Light 5:03 min
Weiter geht es mit einer typischen Power Metal Nummer. Ronnie Atkins und Tobi kümmern sich um die Strophen und Michael Kiske darf sich mal wieder um den Refrain kümmern. Wer mit Unchain the light typische Helloween Klassiker assoziert, der liegt goldrichtig. Ohne Zweifel hat sich Tobi hier an Vorlagen wie I want out bedient. Natürlich gewinnt der Song dadurch keinen Innovationspreis, ist aber grundsolide und sehr gut hörbar.

12. A Restless Heart of Obsidian Skies 5:53 min
Der Song ist in der normalen Edition von Ghostlights das letzte Stück auf dem Album und dient somit als Ausklang einer tollen Reise. Auch hier komme ich nicht drumrum einen Vergleich zu einem alten Avantasia Song zu ziehen, nämlich The Story ain´t over. Bob Catley kommt auch bei A Restless Heart of Obsidian Skies zum Einsatz und liefert im Duett mit Tobi eine gefühlvolle Ballade ab. Nicht zu langsam, nicht zu schnell sondern eben genau richtig, um eine tolle Atmosphäre zu erzeugen. Man hat das Gefühl, als würde sich eine epische Geschichte doch noch zum Guten wenden. Ein toller Abschluss!

13. Wake up the Moon 4:43 min 
Auf der 2-Dsic Edition findet sich dann noch der Bonustrack Wake up the Moon.Das der Song eine Dreingabe und nicht zum Konzept des Albums gehört wird schon beim Blick ins Booklet deutlich. Wurden bei den vorherigen Songs die teilnehmenden Sänger mit ihren Rollen in der Geschichte betitelt, tragen sie in Wake up the Moon ihre realen Namen. Und so darf auch quasi jeder noch einmal ran: Ronnie, Tobi, Jorn, Michael, Robert und Bob bündeln ihr gesangliches Talent und liefern eine schöne, abschließende Mid-Tempo Nummer mit Balladen-Flair. 

Fazit:
Ich werde das Gefühl nicht los, als hätte Tobias Sammet alle guten Avantasia Elemente gebündelt und in Ghostlights zusammen gefügt, womit er dann quasi sein persönliches Best-Of Album erschaffen hat. So viele Elemente aus den früheren Alben kommen hier zusammen und ergeben ein rundum gelungenes Gesamtwerk. Dabei ist Ghostlights so abwechslungsreich wie kaum ein anderes Avantasia Album und eine Überraschung jagt die Nächste. Das Tobi genau bei der Ballade schwächelt, ist verwunderlich, gehören sie doch eigentlich zu seinen großen Stärken. Aber sei es drum, denn ansonsten ist Ghostlights ein großartiges Album geworden, mit einer durchweg positven Grundstimmung, was den Hörer von der ersten Minute an, auf eine fantastische Reise mitnimmt. Daumen hoch!


BTW: Am 25.Februar wird Avantasia beim Vorentscheid zum Eurovision Songcontest mitmachen. Gebt Eure Stimmt für Tobi und den Metal ab!